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Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern

Rückblick auf die Almtagung vom 17.03.23

28.03.2023 | News | Pressespiegel

Klimawandel und Almwirtschaft - Impulsreferat im Rahmen der Almtagung

Almtagung am 17.03.23

Der Klimawandel trifft den Alpenraum überdurchschnittlich stark. Warum das so ist und vor allem, wie die Almwirtschaft damit umgehen soll, erörterte Siegfried Steinberger. Der Alm- und Weidefachmann von der bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft war zu Gast bei den Almtagungen an den Fachschulen Salern und Fürstenburg. 

Die Temperatur steigt bei uns im Berggebiet deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt. Ein Grund dafür sind die schmelzenden Gletscher. Sie haben bisher viele Sonnenstrahlen reflektiert und dafür gesorgt, dass sich die Luft immer wieder abkühlt. Die gletscherfreien, dunklen Felsen heizen sich viel mehr auf und speichern Wärme. Dadurch gibt es auch im Gebirge höhere Tagestemperaturen und laue Nächte. Welche Auswirkungen hat das auf die Almregionen?

Mehr Wachstum
Von Siegfried Steinberger betreute Forschungsprojekte auf Almen zeigen klar, dass das Pflanzenwachstum deutlich zunimmt. Das klingt grundsätzlich gut. Jedoch kann das verstärkte Pflanzenwachstum zum Problem werden, wenn nicht genügend Vieh aufgetrieben wird: Für Steinberger ist Weide ein selbsterhaltendes System. Das bedeutet, das so viel Weide vorhanden ist, wie gebraucht wird. Im Idealfall fressen die Tiere so viel wie wächst und halten damit die Weideflächen offen und sauber. Ist das Futterangebot aber größer als der Bedarf der Tiere, wächst ein Teil der Weide zu. Wenn also durch den Klimawandel das Pflanzenwachstum zunimmt, die Zahl der Tiere aber gleich bleibt entsteht ein Ungleichgewicht. Überständiges Futter, Bürstling, sich ausbreitende Zwergsträucher und Verwaldung sind die Folge.
Die Tierzahlen sollten also bei Bedarf erhöht werden. Wenn es nicht möglich ist, mehr Vieh aufzutreiben, empfiehlt Steinberger, schlechte Flächen auszuzäunen und sich auf die guten Flächen zu konzentrieren. So verhindern Almbauern, dass die Qualität der Weide insgesamt leidet.

Früheres Wachstum
Heißere Sommer, kurze Winter – die Jahreszeiten ändern sich. Das ist sicher vielen Lesern schon aufgefallen und auch Aufzeichnungen zeigen das klar. Eine für die Alpung wesentliche Änderung ist, dass der Frühling früher beginnt. Je nach Jahr und Gebiet startet das Pflanzenwachstum bis zu drei Wochen früher als vor ca. 50 Jahren.

Siegfried Steinberger appellierte deshalb, den Auftriebszeitpunkt an die Vegetation anzupassen und vorzuverlegen. Es sei wichtig die Tiere auf wachsendes, erst fausthohes Gras aufzutreiben, nicht auf stehendes Gras. Denn sonst kommen die Tiere mit dem Abweiden nicht nach, ziehen dem jungen Futter nach und die Pflanzen auf den tiefgelegenen Flächen werden überständig. Sie bleiben stehen und auf diesen Weiden entwickelt sich kein ertragsstarker zweiten Aufwuchs. Dieser fehlt dann am Ende des Sommers. Kommen die Tiere zu spät auf die Alm, kann also die paradoxe Situation auftreten, dass trotz mehr Wachstum gegen Ende der Alpungszeit zu wenig Futter vorhanden ist.

Gelenkte Weideführung
Um die Almen an die geänderten Klima-Bedingungen gut anzupassen, braucht es gelenkte Weideführung, also Koppelhaltung – davon ist Siegfried Steinberger überzeugt. Er konnte bereits auf vielen Almen zeigen, dass sich die Weide dank Koppelhaltung verbessert. Aus Steinbergers Sicht bewirken schon 2 bis 3 Koppeln sehr viel. Sie sollten, wenn möglich, nach Höhenstufen gestaffelt sein.

Mit gelenkter Weideführung gelingt es sogar, Bürstlingsweiden zu verbessern – sofern die Tiere früh genug aufgetrieben werden und der Weidedruck hoch ist.

Fazit
Abschließend stellte Siegfried Steinberger das magische Dreieck der Almbewirtschaftung vor. Dieses Dreieck zeigt, dass eine angepasste Tierzahl, ein früher Auftriebszeitpunkt und gelenkte Weideführung die Schlüsselfaktoren darstellen. Wenn Almverantwortliche diese drei Bereiche berücksichtigen, lässt sich einiges bewirken.

Sofern genügend Wasser zur Verfügung steht und die Almbetreiber die Bewirtschaftung der Almweiden an die geänderten Umweltbedingungen anpassen, leidet die Almwirtschaft derzeit noch kaum unter dem Klimawandel. Doch wenn wir den Temperaturanstieg nicht begrenzen, ist das wohl nur eine Frage der Zeit.

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